Narciso
Paraguay, 1959: Zum ersten Mal bebt ein ausländischer Rhythmus durch Asunción. Rock ’n’ Roll hat den Weg ins Radio gefunden und bringt Hitze, Tempo und die vage Illusion mit sich, dass sich die Zeiten ändern könnten. Die Stadt fühlt sich jünger und lockerer an. Für einen kurzen Augenblick scheint sie aus dem eigenen Takt geraten. Gleichzeitig hält ein zweiter Rhythmus Einzug. Langsamer. Schwerer. Ein disziplinierter Puls, der Gesten anordnet, Stimmen zum Schweigen bringt und die Grenzen dessen, was gesehen und begehrt werden darf, neu zieht. Begriffe wie Tugend, Anstand und Tradition sind plötzlich allgegenwärtig und beginnen, eine kollektive Angst zu prägen. In dieser aufgeladenen Stimmung wird der charismatische Musiker Narciso zum Symbol der Freiheit. Seine Jugend, sein Körper und seine Art, sich in der Nacht zu Hause zu fühlen, schwingen in seiner Musik mit, weshalb sie als Bedrohung empfunden wird. Begehren wird sichtbar. Und Sichtbarkeit wird gefährlich. Was zuvor niemandem aufgefallen ist, zieht jetzt Aufmerksamkeit auf sich; es kommen Verdächtigungen und Vorurteile auf. Während das Regime seine Macht zementiert, bestimmen Moralvorstellungen die Atmosphäre, intim und unterdrückend zugleich. Die Zukunft verschwindet nicht sofort, sondern verengt sich, und man lernt, aufzupassen. Zwischen Tanz und Disziplin nimmt eine neue Ordnung Gestalt an – und eine ganze Generation spürt, wie sie näher rückt.
Details
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Länge
101 min -
Land
Deutschland, Brasilien, Portugal, Spanien, Frankreich, Paraguay, Uruguay -
Vorführungsjahr
2026 -
Herstellungsjahr
2026 -
Regie
Marcelo Martinessi -
Mitwirkende
Diro Romero, Manuel Cuenca, Arturo Fleitas, Margarita Irun, Mona Martinez, Nahuel Perez Biscayart -
Produktionsfirma
La Babosa Cine, Pandora Film Produktion, Bocacha Films, Esquina Produções, Oublaum Filmes, BTeam Prods, La Fabrica Nocturna Cinéma, Guay Films -
Berlinale Sektion
Panorama -
Berlinale Kategorie
Spielfilm
Bilder aus dem Film
Biografie Marcelo Martinessi
Geboren 1973 in Asunción, Paraguay. Der Regisseur und Drehbuchautor studierte zunächst Kommunikationswissenschaft in seiner Heimatstadt und dann Film an der London Film School. Seine Kurzfilme, die sich mit Literatur und dem Thema Erinnerung beschäftigen, wurden auf der Berlinale, auf dem Kurzfilmfestival in Clermont-Ferrand und weiteren Festivals gezeigt. Von 2010 bis zum Staatsstreich von 2012 war er Geschäftsführer des ersten öffentlichen Fernsehsenders in Paraguay. Seine Verarbeitung des folgenden politischen Chaos setzte er in dem Kurzfilm La Voz Perdida um, der 2016 als bester Kurzfilm auf dem Filmfestival in Venedig ausgezeichnet wurde.
Filmografie Marcelo Martinessi
2016 La Voz Perdida